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July 28, 2009

Hast du der Lieder noch?

Nicht im durchweichten Erdreich siedeln sie, nicht in dunklen Darmdurchgängen, die auch poetenlockigen Virtuosen des Leders, des runden, nicht selten mal den Abgang aus der mittelmässigen Karriere bescheren, pointenreich von lokalen Boulevard zerpflückt und ausgeschlachtet, sondern ganz nah bei dir, Millimeter nur entfernt von dem trüben grauen Schleim, der dir hier das Lesen und das Zuweisen von Begriffen zu Bildern und Tönen und Geschmäckern und der haptischen Erfahrung ganz allgemein erst möglich machen. In den Tuben, die dem Fell ganz nah mit Hämmerchen und Bügelchen dasselbe traktieren und den Rhythmus von tausend Leben in dein Leben trommeln.
Keine Ordnung, keine Klasse, nicht einmal ein Weichtier eigentlich, hat sich in dein Bewusstsein geschlichen, eine Entität, die der Beschreibung entflieht und nur durch das Rumoren im Tagesgedanken unaufhörlich sich auf die angenommene Brust klopfend sich Raum verschafft. Aber dieser ist gross, eine Kathedrale von Tönen, Takten, egal ob Moll oder Dur, es zählt diese eine kleine Melodie - Fragment, das auf der Zunge hängt, mal laut im Hitparadensumpf laut plärrend daher gejohlt, mal leise im Versteckten unerkannt vor sich her gesummt, bruchstückhaft hervorgekramt aus alten Fernsehtagen, als Farbe noch ein Wunder war. Wo war das bloss, wo kommt es her? Ich kenn es doch, es ist nicht schwer, ein Quiz war’s, nein, die Tagesschau, von ausser Landes, ja, genau.
Geschichte kennen wir aus Büchern, Sprachen haben wir gelernt, können rechnen, integrieren, über die Seele der Welt fabulieren, sprechen Recht, doch tun es nicht; das Tageswerk verrichtet, zum eig’nen Vorteil nur, haben allerlei gehabt, auf viel verzichtet, leben froh in unsrer kleinen Welt, tun und lassen, was uns gefällt, und anderen nicht, geben uns dem Schicksal hin, und ergeben uns der Furcht, die Neues verspricht.
Doch eines Tages kommt der Wurm hervorgekrochen aus der Höhle, schleicht sich ein, in einer Wöhle, reisst dich aus dem Alltagstrott, führt den Verstand an der Nase herum, dribbelt hin und her und dann zum Schafott, begleitet dich durch den kleinen Tod, von abends spät bis zum Morgenrot. Immer, immer, immer wieder, hörst du ihn, aus all den Liedern, die du hast und bist und einmal wirst sein, jetzt ist er bei dir, und lässt dich alles - Arbeit, Sport, Saufen und Sex - tun was du willst, nur nicht allein.
Und wenn er weg ist, merkst du es kaum, es ist wie am Morgen der fantastische Traum, als alles gut war und du unglaublich dankbar für die Freuden und Leiden zwischen Lacken aus Seide; hättest du bloss geschlafen und wärst nicht erwacht, der Wurm wär’ geblieben, und hätt’ mit dir gesungen, die ganze Nacht.

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July 16, 2009

Kommst du Tschuten?

Teile toter Tiere, Kaninchen, Lämmer, Rinder, Stiere, gleissen ölig in der Sonne, ein leises Zischen, wenn Tropfen in die Gluten fallen, im Mund ein See, in Erwartung der Wonnen, die in Wellen über Knospen wallen, krosse Schnitzel von Schneidezähnen zerrissen und der Saft, der zwischen Fingern fliesst, auf den Fuss und auf den Zeh.
Der Griff zur Büchse aus Leichtmetall, ein Schluck, ein Scherz, der Magen prall mit Sommerleckereien, der Schmerz beim Besteigen der Waage noch ferne, jetzt noch feiern, bis am Himmel und im Kopf die Sterne hell gleissen.
Fliegenbeine, Hummelsingen, Brämenjagd und Sonnenstiche, Kinderschreie, Hunde an die Leine zwingen, Lautmusik ganz ungefragt und irgendwo Gekicher. UVA und UVB, Ozon und Staub, grosses Kino heut am See, der Glacemann klaubt Kleingeld aus der Kasse, das Volk zahlt mit Scheinen, grossen und kleinen, labt sich an der eisigen Masse, schiesst Raketen ins Verderben, lässt Vampire schleckend sterben, es darf auch ohne Schnauz ein Magnum sein.
Kartoffelscheiben, kurz fritierte, unter Kinderfüssen Krümel werden, ein Lederball vom wilden Spiel kurz ausgebüxt, fällt ins Taboulé, es ist verflixt. „Kommst du Tschuten?”, fragt die Harry-Potter-Brille, und „Bist du auch für den FCZ?”. Die Kippe an der Lippe, die Flamme glimmt dem Stengel Leben ein, ein tiefer Zug, der falsche Fahrplan, „Später, wenn ich dann noch kann..”.
Ein Sonntag wie im Bilderbuch, anständig, nett, kein bisschen verrucht, die Geschichten fliegen hin und her, wer mit wem und „Ja, ist schon schwer, in dieser Situation.”, und einer macht den Clown und Witze, die nicht passen. Und kaum einer kann es fassen, dass es so toll ist, hier zu sein und nicht zuhaus’, langweilig, dröge, eingeigelt mit der Zeitung und den Tassen voller Kaffee. Doch leise freut es Kind und Kegel, wenn die woll’nen Decken eingerollt, die Resten ensorgt und alle verabschiedet sind. Es wartet das Sofa, der Kühlschrank und TV daheim, da kann ich mich selbst sein, mit mir ganz allein.

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July 2, 2009

Teufel, Teufel!

Der Teufel steht hier in der Stadt, trinkt ein Bier und findet’s glatt, dass er hier nichts zu schaffen hat, alles läuft hier rund und munter, er muss nicht reizen, muss nicht locken, nicht verführen und versuchen, muss nicht Unschuldige verruchen, lehnt zurück, geniesst die Szene, sinkt in seine Sessellehne, Zigarre schmauchend, selbstvergessen, hat für heute keine Pläne, muss nicht mit Hexen fauchend zum Fegefeuer laufen, Pech und Schwefel Futures kaufen, Sünder in Exkremente pressen, quälen, schlitzen, Ohr abreissen, brennen, fitzen, Arsch aufreissen, mit weichen Kissen stupfen, insgesamt mit allen da ein Hühnchen rupfen, Dämonen coachen, Kerbi füttern, Arbeitsalltag ordinär, mit den Harpyien zum Veterinär, zum Feilen der Klauen. Schauen, dass der Laden läuft.
Aus roten Augen blitzen amüsierte Blicke hin zu Hinz und Kunz, die da so laufen, sich ständig neue Dinge kaufen, Taschen tragen, mal Bitte und mal Danke sagen, nicken, grüssen, küssen, fragen, wie’s so steht und wohin’s denn in die Ferien geht.
Guck mal dort den Hauswart an, wie böse dieser blicken kann, wenn an der Ecke Schwarze stehen, und warten, nichts tun, kommen und gehen, wer soll das verstehen? Dealer, Nutten, Hurensöhne, eines Tages zeig ich’s denen, Stricke hät’ ich schöne, wartet nur ihr hundsfotzigen, nichtsnutzigen, Schmarotzerluden, wenn wir kommen, werdet ihr brennen!
Hier, Herr Frey, kurzatmige Lungenzüge unter dicken Speckrollen, die den Gürtel umschmiegen, einen knappen Zentner wiegen, geschöpft aus dem Vollen, Schüssel um Schüssel in den Schlund geleert, den Hals schon beinah zugeteert, er hievt sich vorbei, die Gasse hinauf, er gönnt sich was, er ist so frei, auch wenn ich mich hasse, und alles verpasse, so doch nicht jede Chance, Erfüllung zu spüren und nicht mehr die Leere.
Die Dame mit der Brille und dem Marathongesicht, harte Backen und Drahthals in feines Tuch gehüllt, mit Tadellosem komplett erfüllt, Stil und Grazie einverleibt, hat in der Tiefgarage mit einem Schrauberzieher, dem kleinen feinen, ungeschlitzt, säuberlich das Wort ‘Gaggi’ geritzt, in den Lack von drei Edelschlitten, vorne rechts der Mitte, wo man es nicht sieht. Ich lache verschmitzt. Wenn die bloss wüssten.
Petar und Aileen, Hand in Hand, graziös und schlank, wie sie durch die Menge gleiten, dunkle Brillen, wildes Haar, Jugendgötter, alte Jeans und knappe Shirts, Haut wie Kokosöl und Eiskaffee, sind eigenschön, ohne Unterspritzung, Überdeckung, ohne Not, das Richtige zu tun, glücklich diesen Nachmittag, er mit ihr und sie mit ihm. So eine bringe ich nie nach Hause, nein, Mama, nie, dein Petar kennt die Ethnochemie, und strahlt trotzdem! Aileen lächelt zurück, mein Ex ist immer noch verrückt, nach mir, erwartet mich um sieben, für Theater, essen und Nummer schieben.
Der Teufel ist gar gut gelaunt, geht zum Bahnhof und fährt aufs Land, schaut sich um und setzt sich hin, trinkt einen Schoppen Weissen, und ist gespannt ob der Freuden, die ihm Landsünden verheissen.

Teuflisch

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June 22, 2009

Hallo, wo gehen Sie hin?

Der Kofferraumdeckel fällt mit einem dumpfen Schlag ins Schloss. Hinter mir fährt ein schwarzer Sportkombi rassig auf den Kiesplatz hinter der abblätternden Kirche. Die Socken noch einmal hochgezogen, kurzes Abtasten der Taschen, alles scheint dabei zu sein, was sollte. Die Gehstöcke glitzern gelb-goldig in der Sonne und an den Handschlaufen sind noch ein paar Schweissränder zu sehen. Ein kurzes Durchatmen, ein bisschen Morgenhusten und loslaufen.
Ich komme nicht weit: aus dem Sportkombi ist ein Mensch gestürzt und steht genau dahin, wo vor ein paar Momenten noch mein Pfad gewesen war. „Wo?”, haspelt er, „Wohin gehen Sie hin?”.
Er trägt kurze schwarze Hosen, aus welchen dicht und dunkel behaarte Knie rausstelzen. Das T-Shirt ist blütenweiss und eng dort, wo es nicht eng sein sollte. Das Haupthaar spärlich und ganz kurz geschnitten. Sportsandalen. Ein Hergefahrener, ein Tourist, im Wagen die Familie, Ausflügler, für das lange Wochenende früh los und gegen Süden gefahren, und nun hinten im Maggiatal auf dem Parkplatz. Schwarze Navigatorenbrille wie die Jachtkapitäne weiter südlich. Wohin?
Bin auch ein Zugereister und Frühaufgestandener, und in der heissen Luft über dem Kiesplatz bin ich plötzlich nicht mehr sicher, was geht, und falls ja, wohin. „Wandern”, rutscht es auf meinem Mund, bevor ich es gewahre und verdutzt halte ich inne, weil es stimmt, alles sagt und auch nichts.
„Ja, wohin denn? Auf den Berg?” Eine flüchtige Geste über die Schulter begleitet seine Frage, zeigt vage auf die steilen Flanken, die das Tal einschliessen. Es könnte irgendein Berg sein.
„Ja, auf den Berg.” Was so nicht ganz stimmt, aber fast. Zum Lago di Sascòla, aber das ist ja eigentlich gar kein Berg, sondern ein See unten am Pizzo Mezzodi. Hab ich jetzt was Falsches gesagt, gelogen ohne zu wollen? Soll ich mich korrigieren, erläutern, klarstellen? Bevor ich ansetzen kann, fragt er weiter.
„Kann man da rumlaufen?” Dieser Frageblick, ich bin sicher, da ist so einer hinter dem Abblendglas, kullerig und neugierig zugleich, Spaniel haben manchmal so einen Blick drauf, da kommt man sich gleich unheimlich unschlau vor, wenn einer mit diesem Blick kommt. - „Rumlaufen? Naja, es hat so eine Art Plateau, da kann man schon ein bisschen hin und her..”, sage ich, nur mich gleich darauf in die Aussage „Ist aber heftig steil da rauf, richtig heftig!” zu flüchten. Pause, Nicken, Räuspern, mit den Schultern zucken.
„Aha, aha, ja, ja dann.. Ehm, hat es vielleicht weiter oben..”, wieder eine flüchtige Handbewegung, diemal talaufwärts, „noch Wege, einfachere, zum Wandern, wo es nicht ganz so anstrengend.. heftig ist? Weiter oben, dort…?”
Ich drehe den Kopf langsam von links nach rechts und zurück, blicke dorthin, wo die Geste hinzeigte. „Ich weiss es nicht, keine Ahnung.” Und das ist nicht mal gelogen. Und ich sage noch, „Tut mir leid.” Das allerdings schon.
Er bedankt sich und dreht sich um und ich gehe den Pfad, der wieder frei vor mir liegt. Ein schöner Moment.

Abhauen

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June 15, 2009

Sich stadtsehen

Gehen Sie in eine grössere Stadt. Suchen Sie sich eine belebte Kreuzung aus. Mit Autos und Fussgängerstreifen. Bus oder Tram sind von Vorteil, Haltestellen ein Plus, Lichtsignale und mehrere Spuren ein Muss. Kurz vor fünf Uhr nachmittags ist eine gute Zeit. Es sollte nicht regnen und nicht allzu kalt sein, Sie müssen ja draussen stehen.
Sie sind Fussgänger, also suchen Sie einen Fussgängerstreifen, der schön zentral liegt, stehen Sie auf eine der Übergangsinseln. Bleiben Sie dort. Stehen statt gehen, blicken und schauen wie Männer und Frauen und Kinder und Hunde laufen, schlendern, trampeln, fahren, stoppen, drehen, hin- und wegsehen, wieder gehen, wieder stehen, rasen, flitzen, warten, sitzen, flenzen und sich das Leben dreht.
Zählen Sie die Anzahl der Mercedes-Fahrer, die an der Ampel stehen und in der Nase bohren. Tun sie es mit dem kleinen Finger, mit dem Daumen oder Zeigefinger? Spicken sie die Poppel aus dem Fenster, oder streichen sie sie am Sitzpolster ab oder an der Hose (gehen sie ruhig näher ran und sehen hin)? Und wenn sie sie essen, schauen sie zuerst an, was die Bohrung zutage gefördert hat?
Nehmen Sie einen Rentner ins Visier, mit Hündchen oder ohne, Gehhilfe bevorzugt. Wie sie oder er auf die Kreuzung zugeht, alte Knochen vorwärts schleppt, verschnauft, solange es noch Rot ist, den Blick starr auf die Ampel, wartend auf das grüne Männchen. Der Ruck, der durch den Körper geht, wenn es soweit ist, das kurze Heben des Kopfes, die ersten Schritte, das langsame Gewinnen an Tempo, kein hohes, das nochmalige Heben des Kopfes um zu sehen, was das Männchen macht, es wechselt auf Orange, das entschlossene, fast verbissene Lupfen der Schultern, das Senken des Kopfes und ein kaum sichtbares Beschleunigen der kurzen Schritte, damit das Strassenufer verkehrsordnungsgerecht erreicht wird, bevor die nächsten Lastwagen mit Dieseldröhnen vorbeidonnern. Der entschuldigende Blick zu den Autokolonnen, die losfahren möchten, aber noch nicht können, weil da ein alter Mensch die Strasse blockiert. Das Tappen der Automobilisten auf ihre Lenkräder, gezähmte Ungeduld nur knapp im Zaun, da sie ja weiter müssen, keine Musse wie die Alten haben und sich denken, weshalb müssen die gerade jetzt auf die Strasse, Zeit hätten sie ja den ganzen Tag.
Der Velokurier ist längst schon vorbei, eine elegante Volte hinter dem Rentner durch, schon eine Kreuzung weiter, kaum noch zu sehen, wirbelnde Beine, Primaballerina der Stadt, analoger Hacker des Stadtverkehrs, Nutzer der Zwischenräume, den Konventionen einen Trottoirhüpfer voraus.
Was tun die Leute an der Tramhaltestelle? Was tun sie, wenn sie warten? Spielen sie das alte Spiel, und tun so als wären sie beschäftigt, weil das Warten ja gar sinnlos ist, kramen sie in Taschen und schauen nach, ob alles noch im rechten liegt, der Schlüssel in der Innnentasche, das Spiegelchen ganz unten links? Tippen sie auf Handytasten, lesen/löschen/schicken Texte, nur um den Schein von Sinn zu geben?
Und dann schauen Sie, wie die Welt jetzt Sie ansieht, die Poppler, Rentner, Hazardeure, Miniröcke mit Backfischen drin, Pöstler, Trämmler, Buschauffeure, Passanten, Passagiere, Leinenhunde, die Stadtreiniger in ihren Kleinstputzwagen. Sie, die Unperson die gar nichts tut, nur schaut, was geht und fährt und steht und schaut, und dies so sinnlos, ungehemmt, in andere Leben schaut.

Wenn Sie sich stadtgesehen haben, nach einer Stunde oder so, gönnen Sie sich einen Pastis. Der hilft beim Verdauen.

Hinsehen

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May 6, 2009

Wannemonat Mai

Im Mai sitz ich die ganze Zeit in der Wanne, Wasser halbheiss, Heublumenextrakt abwechselnd mit Fichtennadeln in seifige Nass träufelnd, die Augen halbzu und das Radio leise gestellt. Ein dumpfes Blubb, wenn ein Tropfen aus dem Duschkopf ins Schaumbett fällt, ein leises Zittern der Emailschale wenn draussen ein Tram vorbeifährt. In der Ecke vom Badezimmer, knapp über dem Boden, ein wenig Licht aus kleinen LED-Lämpchen, blau schimmernd, nur damit man die Schatten sieht, dunkel hinter bläulichen Ecken. Die Batterie der Toiletterie in Reih und Glied, still, verpackte Versprechen die nichts können ausser duften.

Das Buch, es liegt neben der Wanne, der untere Teil nass, Opfer eines Sekundenschlafs. So schnell geht’s. Grad noch gelacht über ‚If you liked school, you’ll love work’, dann: Zack! Lider runter schneller als Bodie Miller die Piste, Kopf nach hinten auf den Beckenrand absenken, die Arme der Schwerkraft ergeben, der Arsch rutscht fünf Zentimeter nach vorne und zieht den Mund zum Wasserspiegel, zum Seifensee, und bevor ich weiss, was passiert, huste ich auch schon die verschluckte Schaumschlägerei aus der Lunge, entreisse das halbversunken Buch der Badebrühe und wundere mich, wie dick und aufgequollen es plötzlich ist.

Der Wannemonat, zufrieden und halbtot gestellt in der Nasszelle, freudig verbracht ohne das Brimborium, welches die Natur derzeit draussen veranstaltet. Kein Meter draussen ohne das Gellen von Federvieh, ohne das Grellen von Blumenrabatten und Schaufensterpuppen, kein Schritt ohne Blick auf weisse Haut und Bäuche. Keine Kleinhunde mit Zündholzbeinen, die sich grossbebrillte, aufgestylte, zweckoperierte, hochgehackte, Gucci-bepackte, durchtrainierte, aufblondierte, für Wohlstand penetrierte Frauchen halten, die sie tragen, wenn die kurzen Stummel nicht mehr laufen wollen, und sie in dicken Wagen den Berg rauffahren und wieder runter.

Nach der Wanne kommt der Juni mit seinen feuchten Tagen, nie solchen Träumen, weil die waren ja im Mai. Und ich mittendrin.

Mehr Work

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April 29, 2009

Ich mach mir keine Zoorgen!

Im Zoo, bei schönem Wetter, sieht man allerlei Getier. Löwengrube, Affenhaus, Schlangenkäfig, Nilpferdteich. An jeder Ecke schlägt ein Pfau sein Rad, weil er schöne Federn hat; imponiert mit Schillerfarben, balzt auch mal ‘nen Kübel an. Tausend Kinder kreischen tausend Dezibel, laufen, klettern, schlecken Eis, weinen, heulen, zetern: Mordio!

Der Bratwurstwender steht da regungslos, die Zange hängt von seiner Rechten, im Tumult fällt sein Blick jenseits der Menge, scheinbar ins Nichts, verhält nur kurz, er atmet aus und schiebt die weiss-braun-schwarzen Schlangen aus Darm zur Seite, an den Gitterrand und weg vom Gas und wartet.

Im Bärengehege Gummistiefel in Orange, blauer Overall im Doppelpack. Pfleger stapfen durch die Büsche, streuen und verstecken Rüben, Kohl und Äpfel fein, Futterpellets unter Wurzelwerk, Sirup in den Sirupbaum. So können die Bären dann ganz artgerecht ein bisschen jagen, ein Bisschen sammeln. Das Männchen in den Gummistiefeln kriecht ins schattige Höhlenloch, nur die Sohlen sieht man noch.

Am Soft-Ice Automaten verkauft ein blondes Mädchen eiskaltes Vergnügen, mit Rossschwanz, Augenblau und dicken Strümpfen über dünnen Beinen. Sie lächelt zu den Kindern und den Müttern auch und schielt nur selten auf die kleine schwarze Armbanduhr.

Bei den Robben Elefantenrennen, Kinderwagen, prall gefüllt mit Babyblubber, es brabbelt hinaus und gurrt hinein. Auf der Bahn der Rutschverkehr, er fliesst und staut, und schreit und lacht, Obacht! Festgeklammmert an den Wagen, stehen Mütter wohlgenährt, ein Maxi-Cosi als Rollator, sie stehen nur, und niemand fährt. Lieber stehen statt mal gehen, wenn schon gehen, dann sich lassen, und sich wundern, wenn andere sie dann stehen lassen, durch sie durchseh’n, hintergeh’n.

Die Schweiz verhungert so schnell nicht, die Schweiz ist gut genährt, das hat mich der Zoo gelehrt.

Das ganze Leben ist ein Zoo!

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